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Das letzte Rennen hatte es in sich: Wieder die Hitze, eisige Kälte, tausende Fischerboote, Netze im Ruder, Windlöcher, Stürme, Downwind und Upwind, Schlafentzug und am wichtigsten: Spass.

Keep smiling, oder versuche es wenigstens

Wir hatten gar nicht immer Spass. Speziell nicht in den ersten Tagen, als wir den Wind auf der Nase hatten und von Sanya, Hainan Richtung Taiwan und Luzon Strasse hoch kreuzten. In konstant starken Winden krängte unser Boot stark und jede Bewegung kostete extra Energie und Motivation. Wegen der grossen Menge Spritzwasser an Deck hatten wir viel Wasser im Boot. Eimerweise Wasser schöpfen war Bestandteil jeder Watch. Auch das ein absolutes Vergnügen in 45 grad und rauher See. So mancher Eimer war wieder leer, bevor er über bord gekippt werden konnte.

Da die Strömungen und Winde in entgegengesetzter Richtung verliefen, war die See rau und steil und wir krachten von Welle zu Welle. Mit jedem Einschlag rutscht man in der Koje ein Stück vorwärts, schlafen in diesen Bedingungen eher nicht möglich. Es ist ein Teufelskreis, in schwerer See braucht man ein vielfaches an Energie und Motivation, schläft aber viel weniger.

Die fischen wie wahnsinnig hier

Nach einer guten Woche Challenge pur drehten die Winde glücklicherweise. Die zweite Hälfte des Rennens von der Luzon Strasse nach Qingdao konnten wir mehrheitlich vor dem Wind und unter Spinnaker zurücklegen. Ganz entgegen des ursprünglichen Wetterberichts und den lokal üblichen Winden, uns konnte es egal sein, die Erleichterung war gross. Die Schlafqualität und als Konsequenz die Stimmung an Bord stiegen schnell und massiv. Wir brauchten die Energie, denn eine weitere Herausforderung in Form unzähliger Fischerbooten wartete auf uns.

Man glaubt es nur, wenn man es selbst sieht; sie sehen aus wie Städte am Horizont, Licht um Licht, aber es sind keine Häuser, sondern Boote, von ganz klein bis Fabrikgrösse, am Fischen auf engstem Raum. Als Segelboot müssen wir diesen Vortritt lassen, jedoch aber mit dem Rennen und extra Umwegen im Hinterkopf navigierten wir oftmals durch die Flotten. Auch weil diese zu gross sind, um zu umfahren. Wir hofften, nicht in Fischernetzen stecken zu bleiben. Das gelang auch, allerdings sind wir 2 mal über riesige Fischernetze gefahren, jedoch waren wir glücklicherweise schnell genug, um nicht stecken zu bleiben. Nur ganz am Schluss hatten wir ein paar Meter Fischernetz im Ruder, allerdings war das eher treibender Abfall als ein intaktes Netz, welches wir trafen.

Sieg im Abfall Spiel mit 20:10

Wenn ich über treibenden Abfall rede, dann blutet mir nach diesem Rennen das Herz. Noch nie habe ich solch ein Level an verschmutzten Meeren gesehen. Die Tatsache, dass mit den Philippinnen, Indonesien und China einige der weltgrössten Verschmutzer an die Chinesischen Meere grenzen, mag es erklären. Trotzdem zeigt es, dass Asien ein Problem mit der Verschmutzung hat. Unzählige Styropor Stücke, hunderte verlorener Bojen, Plastikflaschen, Plastiksäcke – überall. An einem ruhigen Nachmittag spielte ich mit Teamkollege Gary ein kleines Spiel: Wer zuerst ein Stück Abfall entdeckt, kriegt einen Punkt. Nach nicht mal 10 Minuten stand es 20:10. Keinen Kommentar ausser «Welt, wir haben ein Problem»…

9 bis 5 Marina

Kurz vor unserer Ankunft drehten die Winde wieder und wir waren mit eiskalten Winden aus Norden konfrontiert. Wieder upwind, allerdings nur für ein paar Stunden. In etwa 30 bis 40 Knoten Wind kamen wir Qingdao näher; am Körper alle Lagen, die möglich waren. Die letzte Nacht verbrachten wir in der Bucht vor Qingdao, denn die Marina erlaubte unsere Ankunft nur von 9 bis 5, ein kleines bisschen wie die Schweizer Luftwaffe. 😊 Diese letzte Nacht war das kälteste, das ich bislang gesegelt habe. Einige reden von minus 10 Grad, ohne Wind Chill Faktor. Ohne Fakten kann ich sagen, es war einfach nur scheiss kalt und wir hoffen, der Nordpazifik wird nicht ganz so kalt.

Wie auch immer, als wir endlich im Hafen waren, wurden wir herzlich mit viel lokalem Food und Drinks empfangen. Übrigens beendeten wir dieses Rennen auf dem zweitletzten Platz, aber nach dem Rennen ist bekanntlich vor dem Rennen. We’ll be back.

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