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Frisch operiert liege ich im Bett einer Klinik in Zürich. Glücklicherweise in den Genuss eines Upgrades gekommen, fällt es mir leicht, das Beste aus der eigentlich unangenehmen Situation zu machen. So oder so war es nur ein kleiner und geplanter Routine-Eingriff, und Grund zu klagen habe ich nicht, zumal alles wie gewünscht verlaufen ist. Trotzdem gönnt man mir eine gewisse Erholung. In dieser finde ich die Zeit, Euch mehr über mein Vorhaben zu erzählen, denn allzu oft werde ich gefragt, was ich denn nun genau mache. Kurz und bündig: Ich nehme an einem 11 monatigen Segelrennen rund um die Welt teil und blogge darüber. Diese Aufmerksamkeit nütze ich einerseits, um meine Mitmenschen auf die Problematik der stark verschmutzten Ozeane aufmerksam zu machen. Andererseits, um parallel auf verschiedenen Wegen Geld für The Ocean Cleanup zu sammeln – ein Projekt, das die Säuberung der Meere zum Ziel hat.

Das Segelrennen

Es heisst mit vollem Namen Clipper Round the World Yacht Race und ist das grösste Segelrennen für jedermann. Das erste Rennen startete im Oktober 1996, seither wird es praktisch alle zwei Jahre durchgeführt. Aktuell stellt die Organisation 12 identische Boote (Clipper 70) und jeweils den Skipper, der Rest der Crew sind Leute wie Du und ich. Grundsätzlich ist das Rennen für alle zugänglich, es müssen jedoch 4 Wochen intensives Training absolviert werden, damit man zugelassen wird. Die Teilnehmer haben die Option, sich für einzelne Etappen einzuschreiben oder wie ich es tue die ganze Weltumrundung zu segeln. Start wird im August 2017 in Liverpool sein, die genaue Route ist noch nicht definitiv. Mein Engagement für The Ocean Cleanup hat mit der Clipper Rennorganisation direkt nichts zu tun.

The Ocean Cleanup

Bojan Slat hat als Teenager 2013 The Ocean Cleanup gegründet. Nach einem Urlaub in Griechenland war der Holländer von der Tatsache schockiert, dass er auf seinen Schnorchelexpeditionen mehr Plastiksäcke als Fische sah. Mit der Vision, die Meere durch eine passive (fix verankerte) Installation in den rotierenden Garbage Patches* mit verhältnismässig wenig Aufwand zu säubern, startete er ein Crowdfunding. Dieses übertraf das Ziel nicht nur um Welten, sondern rief auch verschiedenste Forscher und Organisationen auf den Plan, die ihm Unterstützung anboten. Heute arbeiten für The Ocean Cleanup über 50 Personen, die hauptsächlich mit der Erforschung der Plastikproblematik beschäftig sind. Untersucht werden als Beispiele Modelle im Labor und Prototypen, das Verhalten von Plastik in Salzwasser oder die Beschaffenheit des Great Pacific Garbage Patches mittels Schiffen und Flugzeugen, um überhaupt die zu bewältigende Menge zu verstehen. Diese und weitere Forschungsaktivitäten führten dazu, dass The Ocean Cleanup momentan in der Nordsee einen Prototypen installiert hat und, sofern alles nach Plan verläuft, noch dieses Jahr die erste voll funktionierende Installation im Great Pacific Garbage Patch installieren kann. Das Ziel ist es, bis 2020 mit der Säuberung aller 5 Garbage Patches begonnen zu haben.

Meine Aktivitäten

Wie eingangs beschrieben, werde ich intensiv und aktuell von meiner Reise berichten, um möglichst viele Menschen zu erreichen und auf die problematischen Verhältnisse in unseren Meeren aufmerksam zu machen. Während des Rennens wird sich mein Engagement für sauberere Ozeane hauptsächlich in Form einer Awareness-Campaign zeigen, das heisst meine Mitmenschen zu sensibilisieren und den Namen von The Ocean Cleanup bekannter zu machen. Nach dem Rennen werde ich an diversen Rede-Veranstaltungen über mein Abenteuer erzählen und Spenden sammeln, die ich direkt und zu 100% The Ocean Cleanup weitergeben werde. Momentan habe ich eine Crowd-Funding Kampagne zur Finanzierung meiner Ausrüstung am Laufen, vom Erlös dieser gehen 50% als Spende an The Ocean Cleanup (Ich freue mich übrigens auch über Kleinstbeträge – Vielen Dank!).

Meine Beweggründe

Es ist etwas sehr Aussergewöhnliches, weit ausserhalb meiner Komfortzone und hart an der persönlichen Belastungsgrenze. Ich werde meine Entscheidung sicher des Öfteren bereuen, speziell dann, wenn wir in südlichen Gewässern um den Gefrierpunkt, durchnässt und auf Schlafentzug, gegen haushohe Wellen ankämpfen. Trotzdem fasziniert mich das Off-Shore-Segeln seit geraumer Zeit extrem, und als ich im Oktober 2016 in London durch Zufall mit einer Clipper Race Alumni in Kontakt gekommen bin, war mir nach den ersten Minuten unserer Unterhaltung klar, das will und muss ich machen. Damals war ich in einer Phase, in der mir das Leben in den vergangenen Jahren mehrmals gezeigt hat, dass gute Freunde in der Blüte Ihres Lebens durch verschiedenste Gründe aus dem Leben treten können. Die traurige Regelmässigkeit dieser Geschehnisse rückte mein „Karrieredenken“ in den Hintergrund und verleitete mich dazu, etwas zu wagen, wodurch ich als verrückt oder dergleichen bezeichnet wurde. Trotzdem kann ich sagen, dass das Feedback meines Umfeldes durch und durch positiv ist, was mich natürlich zusätzlich motiviert – auch wenn nur die allerwenigsten meiner Freunde mitkommen würden.

Ich hoffe, Euch mein Unterfangen etwas näher gebracht zu haben und freue mich auf Eure Inputs oder Fragen.

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* Garbage Patches sind die durch Strudel gefangene „Abfall Inseln“, in der folgenden Grafik die 5 Grössten.

Garbage_Patches

 

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