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Konstante 50 Knoten Wind, Böen bis 80 Knoten

Diesen Blog schreibe ich wenige Stunden nach überqueren der Zielline, nachdem wir den berüchtigten Nord Pazifik hinter uns hatten. Nur wenige Amateur-Segler haben dieses Gewässer durchquert, zu rauh und ungemütlich ist es dort draussen. Wir hatten gutes Segel-Wetter, auch wenn wir über wenige Tage konstante 50 Knoten Wind hatten und es die Böen auf 80 Knoten brachten.

Um ehrlich zu sein weiss ich nicht, wie ich mich gerade fühle. Die letzten 30 Tage waren eine Achterbahn. Einerseits bin ich froh, dass wir es hinter uns haben. Andererseits bin ich bitter enttäuscht über den Ausgang des Rennens. Ich weiss, Windlöcher und technische Probleme gehören zum Segelsport dazu und machen ihn interessant. Die Geschehnisse gegen Ende des Rennens waren aber doch eine sehr grosse, mentale Herausforderung.

From good to bad

Vor wenigen Tagen waren wir stark unterwegs, wenige Meilen hinter den drei führenden Booten und mit komfortablem Vorsprung auf unsere Verfolger. Über mehrere Tage waren wir wiederholt das schnellste Boot. Materialschaden marginal. Wir waren motiviert und zuversichtlich, dass in diesem Rennen wieder ein top Resultat drin liegt. Dann nahm das Unheil seinen Lauf. Innert weniger Stunden zerrissen wir unseren Code 3 Spinnaker und den Code 1. Beide Segel hatten den Dienst unter normalen Bedingungen aufgegeben. Vermutlich waren durch frühere Reparaturen verursachte Stresspunkte schuld, dass die Spis weniger hohe Windtoleranzen hatten.

Mit Code 2 hatten wir immer noch ein gutes Segel für die aktuell hersrchenden Bedingungen. Unterdessen nahmen unsere Segelmacher unter Deck die Reparatur des Code 3 auf – bis unsere Nähmaschine ebenfalls den Geist aufgab. Ganz nach dem Motto “ein Unglück kommt selten allein”. So war es dann auch keine Überraschung, dass zeitweise alle unsere 3 Spinnaker “am Boden” waren, nach kurzer Hand-Reparatur konnte unser Code 2 aber wieder fliegen. Dann lösten sich elementare Schrauben an unserem Bowsprit, was den Einsatz des verbleibenden Spinnakers über mehrere Stunden verunmöglichte.

Als wir dachten, viel schlimmer kann es ja nicht mehr werden, begannen die wirklichen Probleme. Die Führungsschiene unseres Hauptsegels löste sich vom Mast. Der Schaden erreignete sich etwa 20m über Deck. Während diversen Reparaturversuchen über 2 Tage kugelte sich Skipper Dale am Mast die Schulter aus. Wir gaben anschliessend die Hoffnung auf eine vollständige Reparatur auf und mussten das Rennen mit stark verkleinertem Grosstuch fertig zu segeln. In wenig bis gar keinem Wind kommt man mit dem 3. Reff vergleichsweise nur sehr langsam voran. So war es kein Wunder, dass wir die letzten Tage Meile um Meile einbüssten und wir schlussendlich von 3 Booten überholt wurden. Für uns lag nur der 7. Platz drin.

Es gehört dazu…

…und wir können froh sein, dass sich dies alles in den letzten paar Tagen erreignete. Als uns allerdings kurz vor Schluss ein weiteres Windloch verschluckte, waren die ersten 7 Yachten nur 10 Meilen auseinander. Wir realisierten, dass uns diese Schadensserie die Chance auf ein sehr gutes Resultat zerstört hat. So waren wir dazu verdammt, der Konkurrenz bei einem ultra spannenden Finale zuzuschauen. Ohne den Hauch einer Chance, dass wir mit unseren Segeln hätten eingreifen können.

Aber das ist Sport, hätte, wäre, wenn… aber trotzdem sind wir bitter enttäuscht. Und verspätet.

Therapeut nötig

Letzte Nacht, als wir in 2 Knoten Wind fest sassen, wusste ich, dieser Blog wird meine Therapie. Der Text würde zu Beginn vermutlich 3000 Worte zählen und erst nach löschen aller Kraftausdrücke auf eine lesbare Länge kommen. Ich weiss noch immer nicht, wie ich mich eigentlich fühle, allerdings ist die Windloch-Frustration verflogen. So brauchte ich keine Therapie oder Kraftausdrücke zu löschen. Heute bin ich eher gut drauf, oder wohl passender erleichtert, es hinter mir zu haben. Zudem überwiegt die Freude auf den Besuch meiner Eltern, die mich demnächst im Hafen empfangen werden.

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